Proaktief

Wir sind fleißig, arbeiten hart, sehen einen Fortschritt und fühlen uns gut dabei. Und doch passiert es immer wieder, dass wir uns zu viel vornehmen oder länger an etwas arbeiten als es uns gut tut. Und wenn wir es nicht früh genug merken, sind wir irgendwann überfordert, und dann nicht nur raus aus dem Flow, sondern drohen auch den Überblick komplett zu verlieren. Gratulation, wir sind orientierungslos im Tief angekommen.

Damit dies nicht passiert, müssen wir die Kontrolle behalten und früh genug aktiv werden, statt uns lediglich an die Situation anzupassen oder darauf zu warten, dass irgendwas oder irgendwer dafür sorgt, dass wir nicht ins Tief rutschen. Im vorherige Artikel beschrieb ich, wie wir uns auf ein Tief vorbereiten könnten, um auch dann noch produktiv zu sein - wenngleich in geringerem Ausmaß. 

Hier geht es nun darum die "Kurve zu kriegen" bevor es zu spät ist. Denn es gibt Vorzeichen. Wir müssen sie nur erkennen.

Wenn Sie an Ihren letzten Tiefpunkt denken, wo Sie überfordert waren und nicht wussten wo Ihnen der Kopf stand: Was könnten die ersten Anzeichen gewesen sein?

Es kann sich in einer Veränderung der Art Ihres Denkens zeigen, z.B. dass die Aufmerksamkeit nachließ oder der Fluss der Gedanken auf eine ganz bestimmte Art stockte. Genauso kann es auch körperliche Anzeichen geben, oder eine Veränderung in Ihrer Gefühlslage.

Was haben Sie vorher gemacht? Manche Tätigkeiten sind in hohem Maße Energie zehrend. Ich erinnere mich an die Zeit, wo ich innerhalb von 1 Stunde meine Mails kontrollierte, Artikel zu IT-Themen, Sitebuilding, Psychology und Personal Development las, meinen Facebookaccount kontrollierte, ins Fernsehprogramm und auf Youtube schaute was es Neues gibt. Damit habe ich mich regelmäßig "abgeschossen". Die Neugierde war zu groß.

Haben Sie sich schon mal dabei erwischt, statt produktiv, einfach nur beschäftigt zu sein? "Being busy to be busy"? Oder das Sie mal wieder Aufgaben erledigen, für die Sie nicht verantworlich sind bzw. die Sie auch hätten delegieren können?

Mittlerweile gehe ich kontrolliert und gezielt ins Internet. Dann, wenn ich die Informationen wirklich benötige. Ich brauche nur einmal am Tag meine Mails zu kontrollieren, und beschäftige mich mit meinen verschiedenen Themenbereichen separat nacheinander. Gehe erst zum nächsten Thema, wenn die Arbeit beim aktuellen abgeschlossen ist. Ich schaue auch erst abends ins Fernsehprogramm und lasse mir die Sendungen aufnehmen, damit ich diese schauen kann, wenn es für mich die beste Zeit ist und nicht wenn sie ausgestrahlt werden. Ich nutze keine Angebote wie Netflix oder ähnliches, um nicht das Risiko einzugehen, einen Serien Marathon nach dem anderen zu schauen.

Und wenn ich an etwas arbeite, achte ich darauf, ob sich ein Energietief ankündigt. Beim Artikelschreiben z.B. dadurch, dass sich die Tippfehler häufen oder ich beim Lesen mitten im Absatz nochmal von vorne anfangen muss, da ich das zuvor Gelesene vergessen habe. Dann weiß ich, es ist Zeit etwas zu tun.

Kennen Sie Ihre Zeichen, die ein "zu viel" ankündigen? Dann nutzen Sie Ihre vorhandenen Möglichkeiten oder finden Sie neue Wege, damit umzugehen. Entwickeln Sie einen Plan, der sofort einspringt, wenn die ersten, deutlichen Zeichen eine baldige Überforderung ankündigen.

Jeder hat da so seine eigenen Strategien. Was haben Sie bisher gemacht, wenn Sie überfordert waren?

Die, die auf's Joggen schwören, sprechen davon, dass es ihren Kopf frei mache und sie sich so von Stress und Frustration befreien können.

Mir persönlich hilft Meditation, Entspannung oder ein Powernap am besten. Da ich gerne in der Uni-Mensa esse, nutze ich den Spaziergang dorthin, zur inneren Entschleunigung und körperlichen Aktivierung. Und ab und zu gehe ich abends Tanzen. Der Tango-Argentino bietet mir Musik, (mehr) Bewegung, und es hat etwas Meditatives, mich mit einer anschmiegsamen Tänzerin zur Musik zu bewegen.

Ich habe durch meinen Beruf als Psychologe mit mehr als 2000 Menschen gesprochen. Und jeder hatte seine eigene Art sich zu entspannen, etwas gegen Stress und Überforderung zu tun.

Sei es Bewegung in Form von Spazieren, Joggen oder Fahrradfahren, das Hegen und Pflegen ihres Gartens, oder sie gingen in einem anderen Hobby völlig auf. Wo die Einen ein zwangloses Gespräch suchten, fanden die Anderen in der Ruhe wieder zu ihrer Kraft.

Wenn es darum ging, sich zu entspannen, halfen jeder Person unterschiedliche Verfahren. Wo der Eine "etwas tun" wollte und so mehr Erfolg mit der Progressiven Muskel Entspannung hatte, war für Andere ein mehr kognitives Verfahren hilfreich, wie Autogenes Training. Und für die, die sich gut auf "konstruktives Nichtstun" einlassen konnten, war Meditation oder Atementspannung gut geeignet.

Jedoch die wenigsten taten etwas bevor sie überfordert waren. Sie arbeiteten den ganzen Tag sehr hart, schleppten sich durch den Nachmittag, um dann erst am Abend gegen den Stress und die Erschöpfung was zu tun.

Achten Sie auf Vorzeichen, um früh genug etwas zu tun, sei es Bewegung, Entspannung, Ablenkung oder was auch immer Ihnen hilft, damit Sie nicht durch Überforderung in ein Tief gelangen.

Eine andere Möglichkeit wäre, sich regelmäßig eine kleine Auszeit zu nehmen, bevor Sie diese brauchen. Probieren Sie aus, welche Strategie bei Ihnen am besten wirkt. Alle 45, 60 oder 90 Minuten eine 5-10 minütige Pause, oder mittags ein Powernap von 15-20 Minuten, um Ihre Energie wieder näher an 100% zu bringen.

Proaktiv zu handeln, heißt aktiv zu werden bevor eine Situation uns zwingt zu reagieren.

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